Armut, Abstieg, Ablehnung – wer die Sonderausstellung „Das Leben ist eine Kunst. Mit Kreativität gegen soziale Ausgrenzung“ der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen in Bayern besucht, kommt nicht vorbei an den Sorgen und Nöten der Menschen, die täglich in den Bahnhofsmissionen um Hilfe bitten, aber auch nicht an ihren Hoffnungen und kleinen „Erfolgsgeschichten“.

Die Sonderschau gibt aber nicht nur Einblick in das Leben der Hilfesuchenden, sie informiert auch über das umfangreiche Angebot der Bahnhofsmissionen: Knapp 100 Bahnhofsmissionen in Deutschland bieten vielfältige Unterstützung für Menschen auf Reisen – von der Hilfe beim Umsteigen und Begleitung von Reisenden über das verständnisvolle Zuhören bis hin zur Hilfe für Wohnungslose oder Menschen in aktuen Krisen.

In Bayern gibt es 13 Bahnhofsmissionen, darunter in Hof, Lindau, Nürnberg, München, Passau, Regensburg, Würzburg und Aschaffenburg. Sie werden überwiegend ökumenisch von der evangelischen und katholischen Kirche getragen und von zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unterstützt.

Bahnhofsmissionen sind Orte diakonischen Handelns. „Mehr als 60 Prozent der Hilfesuchenden stecken in sozialen und finanziellen Schwierigkeiten oder haben gleich mehrere Probleme. Für viele ist die Bahnhofsmisison der letzte Notanker im Hilfesystem“, erläutert Michael Frank, Referent für Bahnhofsmission im Diakonischen Werk Bayern. Die Zahl der Beratungs- und Seelsorgegespräche steigt stark an und liegt jetzt bei bei über 30.000 pro Jahr. „Die Bahnhofsmissionen müssen sich flexibel und schnell auf immer neue Bedürfnisse und Notlagen einstellen. Die Dienste sind wie Seismographen der sozialen Entwicklung: Hier werden die Probleme der Menschen in unserem Land schon sehr früh sehr deutlich sichtbar“, so Hedwig Gappa-Langer, Referentin für die katholischen Bahnhofsmisisonen beim bayerischen Landesverband „IN VIA – Katholische Mädchensozialarbeit“, der die Ausstellung initiiert und organisiert hat.