30.04.2009
Ein „wärmendes Haus“ schaffen
Wie der Benediktinermönch Anselm Grün junge Unternehmer zum Führen anspornt
FORCHHEIM — „Oft bedeutet Führung das Sammeln von Bewunderungszwergen, weil die Führungskraft keine starken Menschen neben sich duldet.“ Pater Anselm Grün spricht vielen Wirtschaftjunioren aus der Seele und zugleich ins Gewissen.
Beim 10. Wirtschaftsgespräch in den Räumen der Lebenshilfe spricht der 64-jährige Mönch über die Kunst, Menschen zu führen und dadurch Leben zu erwecken. „Es geht ja nicht darum, Menschen zu benutzen, sondern einen Nutzen für die Gemeinschaft zu stiften.“ Der studierte Betriebswirtschaftler redet der „Nachhaltigkeit“ das Wort. „Führen heißt nicht, Staub aufzuwirbeln und dabei ständig umzustrukturieren. Das bringt viel Aufwand, aber keinen Ertrag.“ Eine gute Führungskraft müsse das Potenzial ihrer Mitarbeiter wecken, dürfe nicht verletzend sein und solle ihre Energie nicht für weniger wichtige Dinge vergeuden.
„Das ist natürlich ein Ideal, aber wir müssen immer wieder an uns arbeiten, um besser zu werden.“ Mit vielen Beispielen aus einer langjährigen Beratertätigkeit für namhafte Unternehmen würzt der Leiter der Abtei Münsterschwarzach seinen kurzweiligen Vortrag. „Stärken Sie ihren Mitarbeitern den Rücken, lassen sie den Mut zum Risiko zu, sonst wird sich ihre Firma nicht weiterentwickeln. Und achten sie dabei stets auf ihre Worte.“ Die Sprache verrate den Menschen, und erst recht den Manager, der eigentlich „die Herzen seiner Mitarbeiter in Flammen setzen“ müsste. „Unsere Sprache ist unchristlich geworden.“ Der erfolgreiche Buchautor hat konkrete Vorschläge, um ein „wärmendes Haus“ zu schaffen, damit sich „die Mitarbeiter nicht an der Kälte des Chefs erkälten“. Dabei hätten heute viele Chefs vor qualifizierten und motivierten Menschen Angst, weil sie ihnen etwas vom Beliebtheitskuchen wegzuschnappen drohten. „Wir müssen in ihnen den Stolz auf ihre Leistung wecken und sie nach Kräften fördern, und nicht etwa Druck ausüben, um sie klein zu halten.“ Dazu gehöre eine gute Kommunikation.
Angst größtes Problem
Auch Reibungsverluste durch ständiges Nebeneinander lähme das Unternehmen und frustriere die Menschen. „Das ist kein ganz leichter Weg, aber der einzig langfristig erfolgreiche.“ Denn das größte Problem sei die Angst. Sie lähme den Menschen und lasse neue Ideen nicht zu. Man gehe dann ungern zur Arbeit, spüre inneren Widerstand, der sich auch auf die Leistung und die Kollegen auswirke.
Pater Anselm Grün spricht ohne Manuskript und strahlt dabei die Eigenschaften aus, die er bei Führungskräften oft so sehr im Argen liegen sieht. Achtsamkeit, Weisheit, Reife, Unaufgeregtheit, Gottesfurcht. Nach 32 Jahren als Leiter von 20 Betrieben mit mehr als 300 Mitarbeitern weiß er wovon er spricht. „Bewerten sie immer die Leistung, aber nie den Menschen.“ Ausreden lässt der Benediktiner übrigens nicht gelten: „Es liegt immer an der Führung.“
UDO GÜLDNER







