15.02.2012 (Fränkischer Tag)
Bamberg Der Wiedereinzug der Freien Wähler in den Landtag ist für deren energiepolitischen Sprecher, Thorsten Glauber, kein Thema. Dafür sprechen seiner Meinung nach stabile Umfragewerte. Anders verhält es sich mit der Energiewende. Die wäre nur dann zu schaffen, wenn der Freistaat weniger auf die großen Energieversorger setzt, sondern mehr auf die Kommunen und damit auf dezentrale Lösungen.
FT: Herr Glauber, ist die von der Energiekommission des Landtags anvisierte Energiewende bis zum Jahr 2020 Ihrer Meinung nach realisierbar?
Thorsten Glauber: Das ist in der Tat ein ehrgeiziges Ziel. Letztlich wird uns die Wende nur dann gelingen, wenn wir über entsprechende Speichertechnologien verfügen. Derzeit kommt immer noch die Hälfte des von uns verbrauchten Stroms aus Kernenergie.
FT: Wodurch könnte der Atomstrom ersetzt werden?
TG: Die Energiewende ist nur über einen Mix verschiedener Energiequellen möglich. Dazu gehören natürlich erneuerbare Energien wie Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft. Im Bereich der Photovoltaik liegt Bayern bundesweit bereits an der Spitze, bei der Windkraft haben wir noch erheblichen Nachholbedarf.
FT: Der Wind bläst aber auch nicht überall.
TG: Das ist richtig. Deshalb muss unserer Meinung nach jeder Landesteil den Teil zur Energiewende beitragen, den er auch leisten kann. Im Falle Südbayerns heißt das Wasserkraft und Geothermie, im Falle Nordbayerns Photovoltaik und Windkraft.
Möglich wird die wirtschaftliche Nutzung der Windkraft bei uns durch die inzwischen erreichte Nabenhöhe der Windräder von bis zu 150 Metern. Zwar ist dann das Rotorblatt bis zu 220 Meter hoch, dafür herrschen aber auch die nötigen Windbedingungen von 4,5 bis 5 Meter in der Sekunde.
FT: Schön ist das ja nicht gerade.
TG: Dafür lässt sich mit Windkraft auf einer relativ kleinen Fläche aber die meiste Energie gewinnen. So manchem Südbayern passt es auch nicht, dass zwischen Ingolstadt und den Alpen 1500 Meter ins Erdreich gebohrt werden soll. Aber wir verfügen in diesem süddeutschen Molassebecken über große Erdwärmeressourcen mit bis zu 140 Grad heißem Wasser. Aus sdiesem können - ökologisch völlig unbedenklich - Strom und Wärme gewonnen werden.
FT: Aber das ist doch alles nicht grundlastfähig, oder?
TG: Nur bedingt. Bei der Wasserkraft stellen Pumpspeicherwerke bereits eine gute Lösung dar, trotz der örtlichen Proteste. Allerdings wird derzeit in Bayern gerade ein einziges solches Projekt realisiert, das nach seiner Fertigstellung immerhin 75000 Haushalte mit Strom versorgen wird. In Österreich fährt man mit dieser Lösung schon lange sehr gut. Dort und in der Schweiz verknüpft man sogar Energiegewinnung und Tourismus.
FT: Die Staatsregierung setzt ja auf Gaskraftwerke zur Sicherung der Grundlast.
TG: In Südbayern gibt es derzeit bei Gas schon Versorgungsprobleme, weil Russland nicht zuverlässig liefert. Wenn Minister Zeil die Gaskraft unbedingt ins Spiel bringen will, dann nur dezentral in Verbindung mit Kraft-Wärmekopplung. Hier ist der Wirkungsgrad mit bis zu 80 Prozent deutlich höher als bei konventionellen Gaskraftwerken. Dazu braucht es als Partner jedoch nicht zentrale, große Energieversorger, sondern die Städte und Kommunen. Eine solche Lösung würden wir favorisieren.
FT: Braucht es bei Ihren Lösungsansätzen überhaupt noch einen Netzausbau?
TG: Den braucht es. Allerdings nicht im Bereich der Hochspannung , sondern bei den kleineren Versorgungsnetzen. Weil nach unserer Philosophie der Strom künftig nicht von einem Großkraftwerk zu vielen Verbrauchern geleitet wird, sondern von vielen kleinen Erzeugern kommt.
FT: Womit das Speicherproblem allerdings nicht gelöst ist.
TG: Richtig, aber daran wird gearbeitet. Das Thema Energiespeicherung ist der Schlüssel. Ob die Wasserstoffherstellung durch die Aufspaltung von Wasser mit Hilfe der Windenergie, die Batteriespeicherung, die Druckluftspeicherung oder die Pumpspeicherwerke - nur durch Entwicklung und Bau dieser Speichertechniken kann gelingen. Hier müssen den Hochschulen Gelder für Forschung und Entwicklung zur Verfügung gestellt werden. Bei der Energiewende sollten wir im übrigen eines nicht außer acht lassen: Sparen. Mit Hilfe eines sparsamen Umgangs mit Energie machen wir Kernkraft schnell überflüssig.
FT: Mal ganz was anderes: Glauben Sie eigentlich an den Wiedereinzug der Freien Wähler in den Landtag?
TG: Gegenfrage: Warum sollte ich nicht? Derzeit liegen wir in Umfragen stabil bei neun Prozent. Das heißt, auch für den Bürger sind wir inzwischen nicht nur in der Kommunal-, sondern auch in der Landtagspolitik angekommen.
FT: Ihnen wird eine hohe Affinität zur CSU nachgesagt.Sinsd für Sie eigentlich Koalitionen mit der SPD oder den Grünen möglich?
TG: Natürlich, grundsätzlich kommen für uns alle demokratischen Parteien als Koalitionspartner in Frage. Entscheidender ist für uns, in welcher Koalition wir unsere politischen Ziele am besten erreichen können.
FT: Was unterscheidet Sie eigentlich von der CSU?
TG: Bei uns entscheidet die Basis über unsere Themen und unsere Vorgehensweise. Deshalb wird es auch die Basis sein, die darüber befindet, welchen Weg wir nach der Landtagswahl 2013 gehen werden.
Das Gespräch führte Klaus Angerstein





