27.07.2022
7. Bayerischer Biodiversitätspreis verliehen

Viele seltene Tiere sind nur in der Nacht aktiv. Die besonderen Fähigkeiten nachtaktiver Tiere stehen im Mittelpunkt des Biodiversitätspreises "NaturVielfaltBayern" 2022, der heute an insgesamt elf Preisträger verliehen wurde. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber betonte bei der Preisverleihung im Schloss Thurn in Heroldsbach: "Der Biodiversitätspreis 'NaturVielfaltBayern' stärkt das Bewusstsein für Arten- und Lebensraumvielfalt und das ehrenamtliche Engagement. Mit dem 7. Biodiversitätspreis würdigen wir in diesem Jahr Personen und Institutionen, die sich vor Ort in herausragender Weise für die Spezialisten der Nacht einsetzen. Sie alle rücken Eulen, Fledermäuse, Nachtfalter und Co. ins Rampenlicht. Die spannenden Bewerbungen für den Bayerischen Biodiversitätspreis zeigen: Wir haben Menschen vor Ort, die sich mit Herz und Hand um unsere Tiere der Nacht kümmern. Ob in Naturschutzverbänden, Vereinen, Kommunen oder als Einzelpersonen: Sie alle bewahren unseren Naturschatz." Die Preisträger der mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Auszeichnung leisten mit ihren Projekten einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität in Bayern. Bei der Verleihung des Bayerischen Biodiversitätspreises "NaturVielfaltBayern" wurden heute Preisträger aus fünf Regierungsbezirken ausgezeichnet.

 

Der Bayerische Biodiversitätspreis wird von der gemeinnützigen Stiftung "Bayerischer Naturschutzfonds" seit 2009 ausgelobt, deren Stiftungsratsvorsitzender Umweltminister Thorsten Glauber ist. Prämiert werden besondere Projekte und Leistungen im Arten- und Biotopschutz, die die Bayerische Biodiversitätsstrategie in vorbildlicher Weise umsetzen.

 

Folgende Institutionen und Personen wurden mit dem Biodiversitätspreis 2022 ausgezeichnet:

 

Erster Preis (5.000 Euro):

 

Regierungsbezirksübergreifender Uhuschutz im Frankenjura (Oberpfalz, Oberbayern, Mittelfranken)

 

Mit dem Biodiversitäts-Hauptpreis wurden heute vier ehrenamtliche Uhuschützer des Landesbunds für Vogelschutz ausgezeichnet: Dieter David, Herbert Klein, Georg Schrafl und Erwin Taube. Alle vier engagieren sich in herausragender Weise ehrenamtlich seit Jahren bzw. Jahrzenten für den Schutz des Uhus. Sie koordinieren lokale Monitoring- und Schutzmaßnahmen für die größte einheimische Eule. Ziel der aktiven Uhuschützer ist es, Daten zur Revierbesetzung und zum Brutgeschehen in den jeweiligen Landkreisen zu erfassen. Damit schaffen sie fachlich fundierte Grundlagen für Schutzmaßnahmen, für Bestandssicherungen und Neuansiedlungen.

 

Zweiter Preis (2.000 Euro):

 

Stadt Wunsiedel, Projekt: "Förderung der Biodiversität der Fledermäuse im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet" (Oberfranken)

 

Mit außerordentlichem Engagement setzt sich die Stadt Wunsiedel gemeinsam mit Fledermausschützern für den Erhalt der Kellergasse ein. Im Rahmen eines Biodiversitätsprojekts wurden 11 städtische Felsenkeller unter Auflagen des Natur- und Denkmalschutzes Winterlebensräume von Fledermäusen saniert und Sommerlebensräume optimiert. Ziel des Projekts ist die Stärkung von Fledermauspopulationen. Durch den Erhalt und die Weiterentwicklung der historischen Parkanlage auf dem Katharinenberg soll ein überregionaler Lebensraum mit Sommer- und Winterquartieren für europaweit bedrohte Fledermausarten geschaffen werden.

 

Dritter Preis (je 1.000 Euro):

 

Bund Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe Dillingen, Projekt: "Eulenschutz" (Schwaben)

 

Bereits 1990 begann Georg Stoll aus Wittislingen sich für den Schutz der Eulen und Käuze im Landkreis Dillingen zu engagieren. Seit dem Jahr 2021 führt der Arbeitskreis Eulenschutz der BN Kreisgruppe Dillingen das Lebenswerk von Georg Stoll fort. Die Mitglieder im AK Eulenschutz kümmern sich erfolgreich um die Schleiereulenkästen, Kastenbau und Kastenwartung. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten sensibilisieren sie die Menschen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Arten und Lebensräumen und stärken das Bewusstsein für Eulenschutz und Biodiversität.

 

LBV Kreisgruppe Coburg, Projekt: "Vögel der Nacht im Coburger Land" (Oberfranken)

 

Der aktive Eulenschutz im Coburger Land begann bereits vor über 40 Jahren mit dem Engagement von Gerald Schlosser und der Gründung der Arbeitsgruppe (AG) Eulen. Hauptaufgabe war es damals, die Bestände von Eulen und Käuzen durch Spezialnisthilfen zu fördern und zu betreuen. Nach dem Tod von Gerold Schlosser hat Werner Hellwig die Leitung der AG übernommen und sie weitergeführt und weiterentwickelt.  Bis heute zeichnet sich das Projekt durch den intensiven und langfristigen ehrenamtlichen Einsatz der Arbeitsgruppe aus. Mit sichtbarem Erfolg: Der Bestand an Schleiereulen-Brutpaaren hat sich im Coburger Land seit 1985 verdreifacht, 2.700 junge Schleiereulen sind ausgeflogen.

 

Naturpark Fichtelgebirge e.V., Projekt: "Der Gartenschläfer" (Oberfranken)

 

Der Naturpark Fichtelgebirge hat sich zum Ziel gesetzt, den Bestand der Gartenschläfer, einem Säugetier aus der Gattung der Bilche, zu erhalten und zu fördern. Da die vom Gartenschläfer genutzten Habitate bekannt waren, wurden 2011 erste mardersichere Bilchkobel in Absprache mit den Forstbetrieben angebracht und stetig erweitert. 2022 betreut der Naturpark Fichtelgebirge bereits 140 Kobel. Durch die kontinuierliche Arbeit mit den Gartenschläfern ergeben sich immer wieder Herausforderungen und Fragestellungen, die neue Ideen und Lösungsansätze erfordern. Der intensive Austausch mit Kooperationspartnern spielt dabei eine große Rolle.

 

Fledermausschutz Augsburg, Tierschutzverein Augsburg und Umgebung e.V. und Freundeskreis Dr. Heinz Fischer Sammlungen, Projekt: "Fledermausstation Königsbrunn auf Gut Morhard" (Schwaben)

 

Eine erfolgreiche Kooperation aus drei ehrenamtlich tätigen Vereinen hat die Fledermausstation Königsbrunn auf Gut Morhard aufgebaut, trägt und betreibt sie. Die Fledermausstation verbindet den klassischen Arten- und Tierschutz mit Umweltbildung durch das Erleben von kaum zugänglichen nachtaktiven Arten unserer Heimat. Im Fokus der Fledermausstation steht die Pflege von kranken, verletzten oder verwaisten Tieren und die Vorbereitung auf die Auswilderung. Ziel der engagierten Gruppe ist es, die Fledermäuse wieder in die Freiheit zu entlassen.

 

Gemeinde Stegaurach, Projekt: "LED-Umrüstung der Straßenbeleuchtung, Schaffung neuer Lebensräume und sonstige Maßnahmen" (Oberfranken)

 

Im Jahr 2019 hat die Gemeinde Stegaurach beschlossen, die Straßenbeleuchtung auszutauschen und auf LED-Lampen umzusteigen, um die Lichtverschmutzung zu verringern. Damit leistet die Gemeinde einen wichtigen Beitrag zum Schutz nachtaktiver Tierarten. Bei der Aufstellung der Lampen wurde darauf geachtet, dass vorrangig Straßen und Gehwege beleuchtet werden. Die Beleuchtung von Hauswänden, Bäumen und Gärten wurde bewusst vermieden, um die Beeinträchtigung für nachtaktive Tiere so gering wie möglich zu halten. Die Umstellung der Beleuchtung setzt sich in herausragendem Maß mit den naturschutzfachlichen Besonderheiten des Ortes auseinander und sensibilisiert die Bürger für die Themen Lichtverschmutzung und Artenschutz.

 

Fledermausfreunde Fürth, Projekt: "Schutz von Fledermäusen und Erhalt ihrer Lebensräume und Quartiere" (Mittelfranken)

Die "Fledermausfreunde Fürth" sind engagierte Ehrenamtliche in der Region Fürth, die sich für den Schutz von Fledermäusen und den Erhalt ihrer Lebensräume und Quartiere einsetzen. Das Kernprojekt ist die Fledermaus-Auffangstation in Fürth-Burgfarrnbach. Die Station wurde im Jahr 2017 eröffnet und nach und nach erweitert. Die Einrichtung einer Nachtsicht-Video-Anlage in der Voliere und in den einzelnen Quartierkästen ermöglicht die störungsfreie Beobachtung der Tiere und hilft, die optimalen Auswilderungszeitpunkte festzulegen. Mit der fachkundigen Pflege in der Station helfen die engagierten Schützer den verletzten Tieren. Ihr Ziel ist die erfolgreiche Auswilderung.

 

Markt Grassau mit seinem Museum Salz & Moor in Zusammenarbeit mit Stefan Kattari senior, Projekt: "Das Nachtleben im Chiemgau" (Oberbayern)

 

Im Chiemgau dokumentiert Stefan Kattari sen. seit vielen Jahren die Schmetterlingsfauna mit Schwerpunkt Nachtfalter. Mittlerweile hat er über 400 Nachtfalterarten nachgewiesen. Herr Kattari stellt seine Daten der Naturschutzverwaltung zur Verfügung, und auch die Öffentlichkeit kann sich über seine großartigen Funde in einem extra aufgelegten Buch informieren. Der Markt Grassau präsentiert in seinem Museum Salz und Moor eine Sonderausstellung zum "Nachtleben im Chiemgau" und leistet damit einen wichtigen Bildungsbeitrag. Darüber hinaus ergreift die Kommune ganz praktische Maßnahmen. Sie wertet seit vielen Jahren die gemeindeeigenen Flächen mit autochthonem Saatgut auf schafft damit wertvolle Blumenwiesen.

 

Walter Hundhammer, Projekt: "Nachtfalter" (Schwaben)

 

Artenschutz ist für Walter Hundhammer Herzenssache. Seit vielen Jahrzehnten engagiert sich Herr Hundhammer für den Schutz von Nachtschmetterlingen. Er besitzt eine herausragende Artenkenntnis, die er beim ehrenamtlichen Erfassen der Nachtfalter einbringt. Die erhobenen Daten übermittelt Herr Hundhammer seit 40 Jahren jährlich an das Landesamt für Umwelt. 343 Nachtfalterarten, davon 49 Rote Liste-Arten, hat er bereits nachgewiesen. Im Landkreis Ostallgäu hat Herr Hundhammer sein großes Fachwissen für den Schutz der Nachtschmetterlinge genutzt und entscheidend dazu beigetragen, dass die Lebensräume von hochspezialisierten Arten erhalten und fachgerecht gepflegt werden konnten.

 

Sonderpreis der Banken für Schulen (1.000 Euro):

 

Städtische Berufsschulen der Stadt Nürnberg, Projekt: "Fertigung von Fledermausquartieren" in Zusammenarbeit mit dem Stadtverband der Kleingärtner Nürnberg e.V. Projekt: "Förderung der einheimischen Pflanzen und Erhöhung der Biodiversität in Kleingärten und Kleingartenanlagen" (Mittelfranken)

 

Die Berufsschulen in Nürnberg haben sich zum Ziel gesetzt, ihren Schülerinnen und Schülern mehr Wissen über das Thema Biodiversität zu vermitteln und aktiv zum Artenschutz beizutragen. Im Rahmen eines Umweltbildungsprojektes entstand - unterstützt durch die höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Mittelfranken - eine Zusammenarbeit mit dem Stadtverband der Kleingärtner Nürnberg e.V. und den Städtischen Berufsschulen Nürnberg. Dabei wurden unter anderem Fledermauskästen erstellt. Die Berufsschülerinnen und -schüler haben die Fledermauskästen selbst geplant, entworfen und gebaut. Unterstützt wurden sie von den Ehrenamtlichen des Stadtverbands der Kleingärtner Nürnberg e.V. Sie haben über die Ansprüche der gefährdeten Arten informiert, für deren Bedürfnisse sensibilisiert und die Schüler für nachtaktive Tierarten begeistert.

 

Mit dem Biodiversitäts-Sonderpreis wird die gute und vor allem erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Städtischen Berufsschulen und den Kleingärtnern gewürdigt.

(Quelle StMUV)

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